Angelina Jolie – Healthy Pretty Mum?

Wie weit sollte man gehen?

Mit drei leiblichen und drei adoptierten Kindern sowie zahlreichen Auszeichnungen wie „sexiest woman alive“ und „begehrteste Frau der Welt“ ist sie wohl der Inbegriff der Pretty Mum: Schauspielerin, Regisseurin und UN-Sonderbotschafterin Angelina Jolie-Pitt. Die schon seit Beginn ihrer Karriere für ihr Körperbewusstsein bekannte Aktrice sorgte zuletzt nach zahlreichen Tattoos mit gesundheitlich motivierten körperlichen Veränderungen für Aufsehen.

Bereits 2013 ließ sie sich beide Brüste auf Grund eines erblich bedingt stark erhöhten Brustkrebsrisikos vorsorglich abnehmen, Ende März veröffentlichte Jolie in der New York Post, dass sie sich nun auch die Eierstöcke und Eileiter habe entfernen lassen.

Radikal oder vernünftig?

Der von vielen Medien als extrem angesehene Umgang mit dem eigenen Körper hat zahlreiche Diskussionen unter mehr oder weniger qualifizierten Experten und verunsicherten Frauen ausgelöst: Wie sinnvoll ist dieses Vorgehen des Weltstars?

Es steht uns nicht zu, diese sehr persönliche Entscheidung zu beurteilen, anhand der Datenlage finden wir sie aber nachvollziehbar: Angelina Jolie ist von einer seltenen Genmutation auf dem BRCA1-Gen betroffen, sodass ihr individuelles Risiko für Brustkrebs laut eigenen Angaben bei 87%, jenes für Eierstockkrebs bei 50% lag. Durch die Entfernung des Brust-, Eierstock- und Eileitergewebes konnte die Erkrankungswahrscheinlichkeit um 97% gesenkt werden – ein Restrisiko bleibt bestehen, da sich z.B. im Bauchraum Zellen mit dem Erbgut der Eierstöcke befinden können.

Die sehr aggressive Genmutation auf BRCA1 oder BRCA2 ist jedoch nur für 5-10% der gesamten Brustkrebserkrankungen ausschlaggebend, eine allgemeingültige Aussage zur Brustkrebsverhinderung durch vorsorgliche Brustamputation auch bei Nicht-Genträgerinnen wäre also nicht angebracht.

„Ich habe meine Mutter, meine Großmutter und meine Tante durch Krebs verloren“, erläutert der 39-Jährige Hollywood-Star und ergänzt: „Ich weiß jetzt, dass meine Kinder niemals sagen müssen: Mama ist an Eierstockkrebs gestorben.“

Welche Auswirkungen hat eine solche Burstamputation und Eierstockentfernung auf den Körper?

Die plastische Chirurgin und Pretty-Mum-Expertin Dr. Sabine Apfolterer erklärt die medizinischen und äußerlichen Effekte des Eingriffes:

„Bei einer vorsorglichen Brustamputation wie Frau Jolie sie 2013 vornehmen ließ, kann meist das Brustgewebe durch einen Unterbrustschnitt entfernt und im selben Eingriff durch z.B. ein Silikonimplantat ersetzt werden Die Haut und auch die Brustwarze bleiben erhalten, sodass äußerlich bis auf den ca. 5-10 cm langen Schnitt in der Unterbrustfalte keine Veränderungen sichtbar sein müssen („subkutane Mastektomie“). Natürlich ist es möglich, ein etwas größeres Implantat zu wählen oder im Zuge der Operation auch überschüssige Haut zu entfernen, um ein strafferes Endergebnis zu erzielen. Durch die Entfernung des Brustgewebes ist es naturgemäß nach dem Eingriff (im Gegensatz zu einer reinen Brustvergrößerung oder –Straffung) nicht mehr möglich zu stillen. Erwähnt sei auch, dass in Folge der Entfernung des Drüsengewebes das Implantat etwas leichter durch die Haut tastbar ist (sog. „Rippling“), auch wenn es unter den Brustmuskel platziert wurde. Hier kann man z.B. durch zusätzliche Eigenfetttransplantationen oder besondere Netze (z.B. Tigr-Matrix) Verbesserungen erzielen.

Die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter, wie Frau Jolie sie nun zusätzlich durchführen ließ, kann je nach individueller Ausgangslage häufig bereits minimal-invasiv erfolgen. Das heißt, es erfolgen nur zwei kleine Einschnitte an der Bauchdecke, wobei durch einen Schnitt ein Endoskop und durch den anderen das Operationsinstrument eingebracht wird. Eine weitere, äußerlich völlig narbenfreie Operationsmethode ist die Entfernung der Eierstöcke durch einen Einschnitt in der Scheide, die sogenannte Kolpotomie.

Durch die Entfernung der Eierstöcke wird jedenfalls unabhängig von der Operationsart die weibliche Hormonproduktion abrupt heruntergefahren – die Frau wird in einen sofortigen Wechsel versetzt und kann keine Kinder mehr bekommen. Die weiblichen Sexualhormone steuern ja bekanntlich eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Faktoren – der Eingriff kann daher verschiedenste Nebenwirkungen wie Schwindel oder Übelkeit, verringerte Knochendichte, abnehmendes sexuelles Verlangen oder sogar depressiven Verstimmungen auslösen. Die Gabe von künstlichen Hormonen kann die nach der Eierstockentfernung auftretenden Beschwerden zwar lindern, birgt aber auch das Risiko, wiederum hormonabhängige Tumore entstehen zu lassen und wird deswegen kontrovers diskutiert.

Definitiv handelt es sich um zwei Eingriffe, die zwar bei fachmännischer Durchführung äußerlich unbemerkt bleiben können, aber dennoch weitreichende Folgen für die Frau haben. Jedenfalls sollte eine gründliche Klärung und Abwägung des individuellen Risiko-Nutzen-Verhältnisses und eine detaillierte Beratung durch Spezialisten der Operation vorangehen.“

Trägerinnen des mutierten BRCA-Gens finden weitere Informationen und Anlaufstellen für alle Bundesländer unter http://www.brustgenberatung.at/, einer Seite unter Leitung der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des AKH Wien. Die Selbsthilfegruppe für Betroffene von erblichem Brust- und Eierstockkrebs liefert weitere Kontakte und Antworten unter http://wissen-hilft-weiter.info.

Wir wünschen Angelina Jolie für die Zukunft Gesundheit und viele schöne gemeinsame Momente mit ihren Kindern – und freuen uns darauf, auch weiterhin von dieser Pretty Mum inspiriert zu werden.

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