Das Haushalts-Dilemma

Oder: wie man sich täuschen kann

Als wir noch beide Vollzeit-berufstätig waren, hatten wir einen gut funktionierenden, zwar nicht Schwiegermutter-tauglichen aber halbwegs aufgeräumten, gleichberechtigten Halbe-Halbe-Haushalt. Und irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass das auch so bleibt. Dann kam das Kind, ich ging 15 Monate in Karenz und hatte plötzlich das Gefühl, dass der Großteil der Haushaltsarbeit an mir hängen blieb. Nach einiger Zeit hat mich das mehr und mehr frustriert. Trotz Müdigkeit und Erschöpfung habe ich die Kraft gefunden, das so zu verbalisieren, dass es beim Göttergatten auch angekommen ist. (Klopfe uns hiermit beiden auf die Schulter: Mir, weil ich es gesagt, und dem Göttergatten, weil er es verstanden hat!) Dann haben wir etwas gemacht, das ich jedem wärmstens empfehlen möchte, in dessen Beziehung es manchmal vielleicht ähnlich knatscht:

Die ultimative Haushalts-Arbeits-Aufteilungs-Liste

Wir haben uns Zeit genommen. Wir haben uns gemeinsam hingesetzt und darüber geredet. Und dann haben wir eine Liste geschrieben, die in etwa so aussieht:

Tätigkeit | %Sie | %Er | Häufigkeit (alle xy Tage) | Dauer in Minuten | Nervigkeit 1-10

Darin haben wir alles Mögliche eingetragen vom Wäsche waschen (Häufigkeit 3, Dauer 5, Nervigkeit 3), aufhängen (3, 5, 7!) und wegräumen (sollte 3 sein, ist aber 7, dauert 10 und nervt 9) bis hin zur Verwaltung der gemeinsamen Versicherungen (alle 150 Tage, 10 Minuten, 8 Nerv-Punkte), dem Betanken des Autos, dem Hinbringen und Abholen des Kindergartenkindes, der Menüplanung, den Essenseinkäufen und so weiter.

Was uns das gebracht hat?

Erstens hat es das Bild gerader gerückt: Viele Tätigkeiten kommen mir im Alltag wesentlich anstrengender und zeitintensiver vor, als sie bei objektiver Betrachtung sind. Und vieles, das der Göttergatte erledigt, war mir nicht wirklich bewusst (Die Flüssigkeitsstände am Auto müssen monatlich überprüft und nachgefüllt werden?!) und umgekehrt genauso (Nein, die Kinderspielsachen finden meistens nicht von allein wieder den Weg in ihre Kisten und es ist kein Zufall, dass wir uns alle halbwegs ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, weil dementsprechende Lebensmittel im Haus sind. Ich überlege mir da was!).

Zweitens hat es zu einer massiven Steigerung der gegenseitigen Wertschätzung geführt. Wir sehen verstärkt, was der jeweils andere leistet, und sprechen auch darüber. Unsere Tochter wird es mal schwer haben in der Welt da draußen: normal ist das sicher nicht, wie oft wir uns derzeit bei einander bedanken.

Übrigens: wenn man das Ganze ausmultipliziert, also % *Häufigkeit / 365 *Dauer (und optional auch noch * Nervigkeit) – dann hat tatsächlich der Göttergatte den um ca 20% höheren Anteil an der Gesamtleistung. Immerhin geht er täglich mit dem Hund eine Stunde in den Park und bringt das Kind ins Bett, was nun mal die zeitintensivsten unserer Haushaltsaufgaben sind. Derzeit überlege ich also meistens, bevor ich frustriert bin, ob unter Umständen mein Fokus mich blendet – und bin seltener frustriert. Das ist jedenfalls ein Gewinn für mich und auch den Rest der Familie.

Nina Schönfeld
Über Nina Schönfeld (12 Artikel)
Nina Schönfeld ist Mutter einer kleinen Tochter und schreibt seit vielen Jahren Veröffentlichungen im Pharma-, Beauty- und Modebereich.